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Fast 12 000 Euro aus einer Pfandaktion fließen in die musikalische Bildung von Kindern

Leere Flaschen finanzieren Bandprojekt

Bandprojekt

Die neu gegründete Band der Feuerwache hatte bei der Übergabe der Erlöse ihren ersten Live-Auftritt. Foto: Andreas Fischer

 

„Wir sind Superhelden“, ertönte es am Dienstagnachmittag aus den Räumlichkeiten der Alten Feuerwache in Elberfeld. Die im August neu gegründete „Feuerwache-Band“ stellte sich vor und performte gleich zwei ihrer Lieder live, darunter auch das von den Kindern selbst geschriebene Lied „Superhelden“.

Dass der Auftritt der jungen Band überhaupt zustande kam, ist dabei das Ergebnis einer eher ungewöhnlichen Aktion. Denn Instrumente und Technik wurden mit gespendeten Pfandbons finanziert.

Zuschauer waren Vertreter der Wuppertaler Musikschule, des Vereins Zukunftsmusik und des Rotary Clubs Wuppertal-Süd, die das Projekt zusammen mit einer großen Spende unterstützen und die Anschaffung des Equipments ermöglichten.

Gesammelt wurde dafür in den vergangenen drei Jahren in zwei besonderen Sammelboxen – den Pfandbonboxen in der Edekafiliale Selders am Otto-Hausmann Ring. Die Idee dazu kommt vom Verein Zukunftsmusik. „Erst haben wir immer nach Festivals die Pfanddosen gesammelt und den Erlös gespendet, als diese Veranstaltung durch Corona aber wegfielen, mussten wir uns etwas anderes überlegen“, berichtet Christine Lay von Zukunftsmusik.

Die neue Idee: Boxen in Supermärkten, in denen Menschen ihren Pfandbon ganz einfach und unkompliziert spenden können. Einmal wöchentlich werden diese vom Rotary Club Wuppertal-Süd geleert und eingezahlt. Obwohl es sich immer nur um Kleinstbeträge handelt, ist das Resultat riesig und das Warten hat sich gelohnt. Denn, seit dem Anbringen der beiden Kästen im Jahr 2021 sind gut 11 600 Euro zusammengekommen. Davon flossen bereits knapp 6200 Euro in die Ausstattung und das Lehrpersonal des Bandprojekts der Alten Feuerwache, und 2000 Euro gingen an die Keyboardklasse der Realschule Vohwinkel.




„Unser Wunsch ist es, dass das Geld wieder zurück in die musikalische Bildung von Kindern fließt,“ erklärt Bettina Dahlmann vom Rotary Club. Auch Ursula Niemeyer-Slawig von der Musikhochschule betont, wie wichtig es sei, die Hemmschwelle zur Musik zu senken und Kindern den Spaß und die Freiheit, die Musik mit sich bringt, zu vermitteln.

Um sich von der konkreten Umsetzung dieser Ziele selbst zu überzeugen, versammelten sich alle Beteiligten am Dienstag, um dem ersten Konzert der Feuerwachen-Band zu lauschen. Die Kinder überzeugten an Keyboard, Gitarre und Schlagzeug, und auch hinter dem Mikrofon waren die beiden Sängerinnen Nora (10) und Hanna (9) mit Leidenschaft dabei.

„Jedes Mal, wenn ich Gitarre spiele, bin ich frei. Dann kann ich alle Emotionen, die in mir sind, einmal rauslassen und mit anderen teilen“, erzählt John Miguel (13) nach dem Auftritt.Und auch in Zukunft hat die Band noch vieles vor „Ich will, dass wir mal in einem richtig großen Saal mit vielen Menschen spielen“, berichtet Nora.

Um diesen Traum zu verwirklichen, betreuen Jan Hinrichs, Lydia Stettinius und Hans-Jürgen Link die Band jeden Dienstag und bieten den Kindern auch Einzelunterricht an, um das individuelle Lernen weiter zu fördern.

Es habe sich auch bereits ein fester Kern von Kindern gefunden, die regelmäßig zu den Proben kommen, aber auch, wer jetzt erst Lust bekommt, ist jederzeit willkommen. In Zukunft wird die Band sicherlich auf vielen weiteren Bühnen stehen und mit ihrer Musik die Menschen begeistern.

Quelle: WZ Wuppertal, Nele Kumpmann, 23.11.2023

Chancen nutzen kann nur jemand, der weiß, dass er welche hat und welche das sein können. Solche Möglichkeiten anzuschauen, ist Ziel des Projekts „Türöffner“.

In Zusammenarbeit mit dem Verein Chance_8 wird das Konzept der 8samkeitsgruppen mit dem Projekt der "Türöffner" um eine wichtige Facette bereichert - gar weiterentwickelt. Wir bedanken und bei der Deutsche Bank hier in Wuppertal für den spannenden und engagierten Auftakt. 13 Kinder waren mit vielen, vielen Fragen ("Habt ihr das Bernsteinzimmer?") und viel Begeisterung dabei. Ein Highlight war die Besichtigung des Tresorraums. Auf dem Rückweg sprudelte es weiterhin aus den Kindern heraus und es wurde sich lebhaft über die Eindrücke ausgetauscht. Der erste "Türöffner-Tag" war somit für alle Beteiligten ein voller Erfolg und hat viel Freude bereitet. So kann es weitergehen! Vielen Dank an die WZ Wuppertal insb. Fr. Büsgens/ Herrn Fischer für die redaktionelle Begleitung. Hier gehts zum Artikel: https://lmy.de/bXlMHDak #chancengerechtigkeit #allemitnehmen

Kindergruppen durften bei der Deutschen Bank in die Arbeitswelt schnuppern

Ein Besuch im Tresor

Chance 8 Deutsche Bank klein

(Foto: A. Fischer, WZ)

Für die beiden „Achtsamkeitsgruppen“ mit je acht Kindern, die in der Alten Feuerwache intensiv betreut und begleitet werden, stand jetzt ein besonderer Termin auf dem Nachmittagsprogramm, den das Team von Chance 8 als „Türöffner“ bezeichnet. Chancen nutzen kann nur jemand, der weiß, dass er welche hat und welche das sein können. Solche Möglichkeiten anzuschauen, ist Ziel des Projekts „Türöffner“.

Mit einer Mischung aus Neugier und Aufregung bereiteten sich die Kinder auf den Besuch bei der Deutschen Bank vor, einer von mehreren Stationen in der Wuppertaler Wirtschaft. Firmen kennenlernen, die Arbeitswelt einmal aus der Nähe betrachten, einen ersten Einblick in die Vielfalt der Berufe gewinnen … die Aspekte dieses Projektes sind vielfältig.

„Diese ist die Auftaktveranstaltung im Rahmen der ,Türöffner’, denn die Kinder und Jugendlichen werden in den kommenden Monaten nicht nur die großen Arbeitgeber in Wuppertal wie Bayer, Knipex, das Helios-Klinikum oder Vorwerk kennenlernen. Auch Handwerksbetriebe, Bäcker, Fleischer, Apotheken, Arztpraxen und sogar ein Bestatter gehört zum Kreis derjenigen, die sich an der Türöffner-Initiative beteiligen“, erläutert Stefanie Heberling.

Dabei ist der Nutzen durchaus auf beiden Seiten zu sehen: Die Kinder und Jugendlichen bekommen einen Einblick in die Arbeitswelt und können Kontakte für Praktika oder Ausbildungsplätze knüpfen. Die Unternehmen ihrerseits bekommen Kontakt zu möglichen Auszubildenden.

Unter der Anleitung von Kirsten Holthaus und Vincent Utech trugen die beiden Gruppen zahlreiche Fragen zusammen, die sie auf bunten Karten notierten: „Welches ist die kostbarste Münze?“, wollte jemand die Bankkaufleute fragen, und ob es tatsächlich eine Fünf-Euro-Münze gebe, war die Frage von Jenny. Die 12-jährige Rihana war eher entspannt, als es um die Planung des bevorstehenden Ausflugs ging: „Ich gehe mit meiner Mutter öfter zur Sparkasse, wenn sie Geld abheben möchte“ – war für das Mädchen der Aufenthalt in einer Bank und die Bedienung des Geldautomaten kein Neuland. Aber zum Wert einer seltenen Zwei-Euro-Münze wollte sie schon eine Frage stellen. Für viele Kinder sei eine Bank eher etwas aus Comic, Film oder Krimi, erklärte Vincent Utech, und so wunderte ihn auch nicht der Interessenschwerpunkt des 10-jährigen Bara: „Wie sicher ist die Bank und wurde sie schon mal ausgeraubt?“, plante er als Frage zu formulieren. Die siebenjährige Gzin hingegen war schon im Vorfeld sehr aufgeregt und konnte sich deshalb keine konkrete Frage ausdenken.

Superspannend war dann aber tatsächlich der Besuch in der Deutschen Bank; angesichts der Weite der Schalterhalle waren hier und da doch etwas Unsicherheit und Ehrfurcht zu spüren. Der Höhepunkt war sicherlich der Besuch im Tresorraum, und auch der vorbereitete, kindgerechte Film über das Bankwesen bot Unterhaltung und Informationen gleichermaßen.

Normalerweise seien es ja Eltern oder Verwandte, die bei der Suche nach einem Praktikums- oder Ausbildungsplatz unterstützten, Bewerbungen korrigierten oder im Bekanntenkreis Ausbildungsbetriebe haben, zu denen sie ihre Kinder schicken, erläutert Stefanie Heberling, Gründungsmitglied von Chance 8. Wer aber aufgrund häuslich schwieriger Umstände – die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein – diese Unterstützung nicht erfährt, würde unter Umständen auf der Strecke bleiben, wenn nicht andere Engagierte die Kinder und Jugendlichen bei der Berufsorientierung begleiteten.


„Alle haben inzwischen gute Schulabschlüsse gemacht“

Unter dem Arbeitstitel „Wuppertal ist achtsam“ wurde die Idee einer langfristigen Unterstützung und wissenschaftlichen Begleitung dieser intensiven und individuellen Begleitung von Kindern und Jugendlichen schon 2011 durch den Lionsclub Wuppertal Mitte ins Leben gerufen, und die erste Achtsamkeitsgruppe – der Name ist Programm, denn acht Kinder mit großen Betreuungs- und Förderbedarf wurden aufgenommen – gegründet. Inzwischen sind die „Kinder“ der ersten Achtsamkeitsgruppe, die oftmals auch die Rolle von Ersatz-Familien übernehmen muss, dieser entwachsen, haben gelernt, auf eigenen Füßen zu stehen.

„Alle haben inzwischen gute Schulabschlüsse gemacht, Ausbildungsplätze gefunden oder studieren“, ist Sozialpädagoge Vincent Utech stolz auf die Arbeit, die das gesamte Team geleistet hat und immer noch leistet, denn inzwischen gibt es Nachfolgegruppen, die von Kirsten Holthaus, André Singer und Jihan Rafaan geleitet werden.

(Redaktion: C. Büsgen, WZ Wuppertal)

 

[Westdeutsche Zeitung, 26.06.2023]

Nach 32 Jahren als Leiter der Kinder und Jugendeinrichtung verabschiedet sich Joachim Heiß in den Ruhestand

 

Kämpfer der Alten Feuerwache

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Joachim Heiß geht in den Ruhestand. Die Leitung der Alten Feuerwache übernimmt Jana Ihle.

Foto: Andreas Fischer

 

„Kannst du deine Rente nicht hier machen?“

Die Kinder der Alten Feuerwache lassen Joachim Heiß nur ungern gehen. Solche und ähnliche Fragen hat der langjährige Leiter der Einrichtung in der Nordstadt in den letzten Tagen mehrfach gehört. Natürlich macht ihn das ein bisschen wehmütig. Doch in erster Linie ist es eine Bestätigung seiner Arbeit. Und die hat er offensichtlich sehr gut gemacht. Zu seinem Abschied sind auch ehemalige Kinder der Alten Feuerwache gekommen, die heute längst erwachsen sind und in anderen Städten wohnen. „Joachim, wenn du nicht gewesen wärst, wären wir bestimmt im Knast gelandet“, haben manche zu ihm gesagt.

Die Einrichtung an der Gathe ist ein Ort der Kinder- und Jugendarbeit, der Familien- und Sozialarbeit in einem Stadtteil, in dem viele Menschen viele Probleme haben. Einem Stadtteil, in dem viele Kinder wohnen, die von zu Hause nicht die Aufmerksamkeit erfahren, die jedes Kind verdient hat. Für sie ist Joachim Heiß vor 32 Jahren angetreten, als er die Aufgabe bekommen hat, die Alte Feuerwache zum Ort der Kinder- und Jugendarbeit zu machen. Und das war wahrlich nicht einfach, schon allein der Standort hatte es in sich. „Wir hatten zunächst nur den südlichen Teil des Gebäudes. Im nördlichen Teil war die städtische Übernachtungsstelle für nicht sesshafte Männer. Nebenan war die städtische Übernachtungsstelle für nicht sesshafte Frauen. Wir waren mit unseren Kindern mittendrin“, erinnert sich Heiß.


Die Finanzierung stand immer wieder auf der Kippe


Hinzu kamen über die ersten zehn Jahre hinweg massive Geldsorgen. Die Finanzierung der Alten Feuerwache stand immer wieder auf der Kippe, auch als die Erweiterung auf die anderen Gebäudeteile anstand. Diese Sorgen holten Joachim Heiß auch während Corona noch einmal ein. Das Haus finanziert sich auch durch Einnahmen aus Vermietungen für Kindergeburtstage und andere Veranstaltungen. Während der Pandemie sind diese komplett weggebrochen.

Doch der Leiter der Einrichtung und sein Team haben sich schon vor 30 Jahren nicht abschrecken lassen, sondern Angebote geschaffen. Bei ihnen haben die Kinder im Stadtteil Mittagessen bekommen und ihnen wurde bei den Hausaufgaben geholfen. Anschließend konnten sie an der Gathe ihre Freizeit verbringen. Schnell wurde aber klar, dass es mehr braucht: „Wir hatten Kinder mit teilweise hohem Gewaltpotenzial, sowohl gegen sich selbst, als auch gegen andere“, sagt er. Aus der alten Wagenhalle wurde eine Kletter- und Spielhalle. In Achtsamkeitsgruppen finden die Kinder, die intensivere Unterstützung brauchen, einen geschützten, familiären Raum, um ihre Probleme zu bewältigen. „Die Beziehungs- und Bindungsarbeit ist das Entscheidende. Die Kinder brauchen Ansprechpartner, denen sie vertrauen und mit denen sie über ihre Themen sprechen können“, sagt Heiß. Und das sei heute wie damals das Wichtigste, denn die Probleme der Kinder und Jugendlichen seien noch dieselben wie vor 30 Jahren. Gewalt in der Familie, Drogenmissbrauch der Eltern und Alkoholismus sind da nur einige Beispiele.

Er selbst sei kein einfaches Kind gewesen, hätte von vielen Lehrern aber statt ein offenes Ohr eher Strafen bekommen. Bis eines Tages ein junger Lehrer sich seiner angenommen hat. Das hat ihn zunächst dazu inspiriert, ein Lehramtsstudium aufzunehmen. „Letztendlich war das aber nicht das Richtige für mich. Lehrer sind einfach sehr an die Vorgaben des Lehrstoffes gebunden. Da bleibt für Beziehungsarbeit nur wenig Zeit“, sagt er. Doch gerade diese war ihm wichtig.

Also hat er umgeschwenkt und ist schließlich Diplompädagoge geworden. Er war gerade freier Mitarbeiter im Haus der Jugend, als der Ruf an die Gathe kam. Die Alte Feuerwache hat er über die Jahre zu einem ganzheitlichen Angebot gemacht für Kinder von der Geburt an bis ins Erwachsenenalter. Diese lückenlose Begleitung fängt bei der Betreuung durch eine Hebamme an, geht über das Angebot des Kulturkindergartens, der Kita im Haus, über die offene Jugendarbeit bis hin zu Angeboten für Familien.

Nun zieht sich Joachim Heiß Ende des Monats in den Ruhestand zurück. Dann übernimmt seine langjährige Kollegin Jana Ihle die Leitung der Alten Feuerwache. Auch wenn es ihm schwer fällt, ist sich Heiß sicher, dass er sich zurückziehen kann. „Ich werde auf keinen Fall so ein ehemaliger Leiter, der nicht wirklich loslassen kann und sich von außen weiter in alles einmischt“, sagt er. Sollten seine Nachfolger aber einmal um seine Meinung bitten, stünde er selbstverständlich zur Verfügung.

Für die Zeit nach der Alten Feuerwache hat er auch schon Ideen. „Ich habe noch ein, zwei Projekte im Kopf, die ich nicht mehr umsetzen konnte. Vielleicht kann ich diese ehrenamtlich angehen“, sagt er. Zum einen will er Kitakinder und Senioren zusammenbringen. Ähnliche Angebote hätten gezeigt, dass von der Kombination aus Jung und Alt beide Seiten profitieren. Die Jungen aus der Erfahrung und der Zeit, die die Senioren ihnen widmen. Und die ältere Generation, weil die Kinder sie antreibt, Dinge zu machen, von denen sie längst geglaubt habe, dass sie sie nicht mehr könne. Bei seiner zweiten Idee bezieht sich Heiß auf wissenschaftliche Studien, die belegen, dass es Menschen glücklich macht, wenn sie anderen helfen. Entsprechend will er Menschen, die Hilfe brauchen, mit solchen, die Kapazitäten zur Hilfe hätten, zusammenbringen. Und das wird ihm bestimmt gelingen, denn genau das ist es ja, was Joachim Heiß all die Jahre angetrieben hat: der Wunsch, anderen zu helfen.

(Quelle: Nina Mützelburg, WZ Wuppertal 26.06.2023)

 

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