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Motiv Kinderarmut

"Geschlechtsspezifische Arbeit beinhaltet, dass in den Angeboten und Maßnahmen der Kinder- und Jugendsozialarbeit jeweils die Stärken und Lebenskonzepte des betreffenden Geschlechts berücksichtigt werden. In der Kinder- und Jugendarbeit sind alle Träger der Kinder- und Jugendhilfe aufgefordert, geschlechtsspezifische Arbeit durchgängig in allen Ebenen ihrer Organisation einzubinden." (Aus dem Sozialgesetzbuch VIII)

Die Mitarbeiter*innen der Alten Feuerwache Wuppertal bemühen sich in ihrer alltäglichen Arbeit geschlechtssensibel zu arbeiten und begreifen dies als Querschnittsaufgabe, welche sich durch sämtliche Angebote und Arbeit der Feuerwache zieht. Dazu gehören die sogenannte Mädchenarbeit, Jungenarbeit und koedukative Gruppenarbeit. Zu diesem Zweck gibt es sowohl im Kinder- als auch im Jugendbereich Jungengruppen und Mädchengruppen. Der Verschiedenheit von Menschen soll – unter Berücksichtigung gesellschaftlicher (konstruierter) Geschlechterverhältnisse – in einem lebendigen pädagogischen Prozess Rechnung getragen werden.

Geschlechtssensible Pädagogik geht davon aus, dass die Geschlechtszugehörigkeit einer Person einer der wichtigsten Einflussfaktoren für ihr gesamtes Leben ist. Neben anderen Aspekten von Vielfalt (wie z.B. ethnische Zugehörigkeit, Religion, sexuelle Orientierung oder Klassierung) fungiert die Kategorie Geschlecht als „Platzanweiserin“ in der Gesellschaft und bestimmt Möglichkeiten und Chancen in vielen Bereichen des Lebens. Welche Eigenschaften, Fähigkeiten, Interessen, welchen emotionalen Reichtum eine Person entwickelt, welchen Beruf sie ergreifen wird, wie sie ihre Beziehungen zu anderen gestalten wird, ist maßgeblich von der Tatsache bestimmt, ob sie als "Mädchen" oder "Junge" auf die Welt kommt. Sie (die Person) entwickelt dabei nicht das volle Potential, das in ihr steckt, sondern besonders jene Seiten, die in ihrem gesellschaftlichen Umfeld als jeweils für ihr Geschlecht passend angesehen werden.

Ziel von geschlechtssensibler Pädagogik ist es, "Mädchen" und "Jungen" zu ermöglichen, ein großes Spektrum an Interessen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu entwickeln, das nicht durch geschlechtsspezifische Einschränkungen begrenzt wird. Pädagog*innen müssen Kinder darin unterstützen, alle Potentiale ihrer Persönlichkeit zu entwickeln, die sie zu kompetenten, fürsorglichen, sich-selbst-bewussten Erwachsenen werden lassen.

Grundlegend sind hierbei für unsere Arbeit die Erkenntnisse der Geschlechterforschung, die nachweisen, dass Geschlecht – das, was wir jeweils für "weiblich" und "männlich" halten – gesellschaftlich, konstruiert, und daher veränderbar ist. "Weiblichkeit" und "Männlichkeit" sind keine angeborenen Attribute. Die Geschlechterforschung belegt seit langem, dass bestimmte Verhaltensweisen durch Bildung, Erziehung und Sozialisation erworben werden. Ein „Blick über den Tellerrand“ in andere Kulturen und ein Rückblick in die Geschichte bestätigen die Möglichkeiten der Entwicklung bzw. der Veränderung von Geschlechterrollen – das macht Mut darauf, aktiv an der Umsetzung von geschlechtssensibler Pädagogik zu arbeiten.

Geschlechtssensible Pädagogik ist Teil der alltäglichen Beziehung zwischen Pädagog*in und "Mädchen" und "Jungen". Sie drückt eine persönliche Haltung aus, die davon ausgeht, dass alles menschliche Handeln, Denken, Tun geschlechtsspezifisch geprägt ist. Diesen Umstand zu reflektieren bedeutet geschlechtssensibel zu sein. Das erfordert die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit der eigenen Person, mit dem persönlichen Geworden-Sein als Frau oder Mann und mit den eigenen Frauen- und Männerbildern. Geschlechtssensible Pädagogik stellt die Frage nach der eigenen aktiven Beteiligung an der (Re-) Produktion von Geschlechtsunterschieden.

Aufgrund von geschlechtsspezifischen Sozialisationsprozessen müssen wir davon ausgehen, dass Mädchen und Jungen unterschiedliche Erfahrungen brauchen, um erweiterte Handlungsmöglichkeiten entwickeln zu können. Dazu müssen Erwachsene unterstützend eingreifen und sich einmischen, um entsprechend Freiräume für Mädchen und Jungen zu schaffen. Aufgabe von PädagogInnen ist es, "... für die Herstellung gleicher Lernchancen für beide Geschlechter zu sorgen. Dabei kann 'gleich' in diesem Fall je nach Geschlecht etwas sehr Unterschiedliches bedeuten" (Spitta 1996, 13).

 

Warum dann eine Jungengruppe und eine Mädchengruppe?

Es wurde und wird geglaubt, wenn "Mädchen" und "Jungen" am selben Ort, zur selben Zeit mit den selben Inhalten zusammen sind, ergibt sich das selbe Resultat – gleiche Rechte. Stimmt das?

Ein koedukatives Lernen sorgt nicht automatisch dafür, dass geschlechtliche (Dominanz-) Verhältnisse und damit einhergehende Stereotype nicht entstehen oder aufgebrochen werden können. Geschlechtstypisches Verhalten wird bereits in der frühkindlichen Sozialisation, in der Herkunftsfamilie, bei Tageseltern und im Kindergarten, erworben. Während der Schulzeit wird die Geschlechtsidentität in sozialen Interaktionen weiter erprobt und ausdifferenziert. Studien, die die Auswirkungen der gegenwärtig praktizierten Koedukation – des gemeinsamen Unterrichts von "Mädchen" und "Jungen"– auf geschlechtsspezifisches Verhalten von "Mädchen" und "Jungen", ihre Interessensentwicklung, ihr Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und Leistungsselbstkonzept untersuchen, kommen zu kritischen Ergebnissen (vgl. Kaiser 1997, Welz/Dussa 1998, Pfister/Valtin 1993, Hempel 1996). Entgegen den Erwartungen, die an die Einführung der Koedukation geknüpft waren, trägt das Miteinander der Geschlechter nicht "automatisch" zu einem "natürlichen", herrschaftsfreien Umgang von "Mädchen" und "Jungen" bei. Im Gegenteil: der herkömmliche gemeinsame Unterricht von "Mädchen" und "Jungen" kann Geschlechterstereotype verstärken, und unreflektierte Koedukation führt eher zu einer „Einübung in Geschlechterhierarchien“ als zu geschlechterdemokratischen Entwicklungen. Somit können auch in koedukativen Settings Stereotype reproduziert werden. Diese Aufzubrechen erfordert kontinuierliche Arbeit und permanente Selbstreflektion der Pädagog*innen bzgl. der eigenen Geschlechterbilder und ein Einschreiten sowie Entgegenwirken. Da das ständige Erleben von Rollenerwartungen jedoch belastend sein kann, ist es weiterhin nötig, empowernde und geschützte Räume zu schaffen, in denen "Mädchen" und "Jungen" sich sich ausprobieren und Themen ansprechen können, ohne dass diese bewertet werden oder an Geschlecht geknüpft sind. In der Feuerwache sind dies die "Mädchen-" und die "Jungengruppe".

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