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WZ: "Armut in der Kindheit ist ein Dauerthema"

In der WZ berichtet unsere pädagogische Leiterin über die Erfahrungen der Alten Feuerwache. Hier gehts zum Artikel: Link Artikel WZ

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„Armut in der Kindheit ist ein Dauerthema“

Armut Dauerthema

Kinder kommen vor allem aus der Nordstadt, vom Ostersbaum und aus der Innenstadt zur Alten Feuerwache an der Gathe. Foto: Andreas Fischer

 

Von Anne Palka, WZ Wuppertal

Nordstadt

"Ungefähr 80 bis 100 Kinder und Jugendliche kommen jeden Tag in die Alte Feuerwache an der Gathe. Sie leben vor allem in der Nordstadt und am Ostersbaum – Quartiere, in denen viele Familien leben, die nicht viel Geld zur Verfügung haben. „Armut in der Kindheit ist ein Dauerthema. Das erleben wir seit vielen Jahren, aber es hat sich intensiviert“, sagt die pädagogische Leiterin Jana Ihle. Am Montag hielt sie erstmals das erziehungswissenschaftliche Fachbuch in der Hand, für das sie einen Praxisbericht geschrieben hat. Veröffentlicht wurde es von Raphael Bak und Claudia Machold, die Professorin an der Bergischen Universität Wuppertal war und zusammen mit der Alten Feuerwache Forschungsprojekte zum Schwerpunkt Ungleichheiten umgesetzt hat.
Die Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit hätten sich in den vergangenen Jahren verändert, sagt Jana Ihle: Zu Freizeit- und Bildungsangeboten sei immer mehr die Basisversorgung gekommen. Ungefähr 80 Kinder essen täglich in der Alten Feuerwache zu Mittag. „Für die Kinder ist es so wichtig, nicht nur den Magen vollzukriegen, sondern auch die Atmosphäre, gemeinsam zu essen. Wir wissen, dass es für viele die einzige warme Mahlzeit am Tag ist.“ Der Zulauf sei in den vergangenen Wochen gestiegen, wahrscheinlich eine Folge der hohen Kosten für Energie und Lebensmittel. Es habe immer schon Kinder in der Alten Feuerwache gegeben, deren Familien der Strom abgestellt wurde, weil sie ihn nicht mehr zahlen konnten. Jana Ihle befürchtet, dass dieses Problem in diesem Winter zunimmt. „Wir sind wirklich sehr besorgt.“ Während sich die Situation zuspitzt, muss die Einrichtung ebenfalls mit dem Geld auskommen, das ihr zur Verfügung steht. Das Mittagessen wird durch Spenden finanziert.Während der Corona-Pandemie gab es Wochen, in denen die Alte Feuerwache ihr Angebot kaum unterbreiten durfte. Auch Schulen waren geschlossen. „Das war eine ganz harte Phase für viele Kinder. Sie haben unglaublich gelitten“, sagt Jana Ihle. Nun stellen die Pädagogen gravierende Defizite fest: Viele Kinder hätten Probleme mit der Motorik – eine Schere zu halten, einen Ball zu werfen, zu balancieren. Auch das Sozialverhalten sei beeinträchtigt. Kinder haben Schwierigkeiten, sich in Gruppen zurechtzufinden, sind aggressiv, haben kaum Frustrationstoleranz. „Das haben wir immer beobachtet bei Kindern, aber mittlerweile ist das fast zur Regel geworden.“ Die Alte Feuerwache bietet ihnen kleine, stabile Gruppen mit klaren Strukturen und Bezugspersonen. „Das gibt eine Sicherheit. Die Kinder wissen genau, was sie hier erwartet.“ Nur Kinder, die sich sicher fühlen, seien in der Lage, gut an Bildungsangeboten teilzunehmen.„Viele Kinder bringen eine unglaublich hohe Stressbelastung mit, sind überfordert, mit Herausforderungen umzugehen.“ Das äußere sich durch körperliche und psychische Symptome: Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Einsamkeit, Traurigkeit. Fast zwei Drittel von 100 Kindern in der Alten Feuerwache, die befragt wurden, hätten eine altersunangemessene und tendenziell gesundheitsgefährdende Belastung. Die Pädagogen beziehen die Eltern ein. „Auch ihnen geht es oft nicht gut. Es gibt chronische Armut, Fluchterfahrungen, Arbeitslosigkeit und negative Rückmeldungen zum Kind.“ Die Pädagogen nehmen gewisse Aufgaben ab, helfen zum Beispiel bei den Hausaufgaben. Ziel ist, die Familien über eine längere Zeit zu begleiten. „Armut ist etwas, das Familien und Kinder massiv belastet.“"

WZ, 19.10.2022

 

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